Weingläser und schwäbischer Humor

Anke Raum und Dorothee Luik zeigten ihre Werke im Oberrotweiler Weingut Bercher-Schmidt

VOGTSBURG-OBERROTWEIL (cf). Außergewöhnliche Kunst gab es am Wochenende im Weingut Bercher-Schmidt in Oberrotweil zu sehen: zu Leporellos gefaltete Illustrationen von Anke Raum und Fotografien von Dorothee Luik, die allesamt unter dem Thema Weingläser standen. Dazu gehörten nicht nur Luiks Schwarz-Weiß-Fotografien unterschiedlichster Gläser. Auch kamen ihr einzelne Ausschnitte der bunten Illustrationen Raums vor die Linse.

Dorothee Luik, Fotografie und Anke Raum, IllustrationenAusgehend von Weingläsern variierte Anke Raum in ihren Leporellos die Formen der einzelnen Gegenstände, bis sie schließlich "völlig losgelöst vom Thema Gläser" bei ganz anderen Motiven landet. Beherrschend waren jedoch Assoziationen zum Essen, Trinken und Kochen. So entwickelte sich in ihren kleinen Faltbüchern beispielsweise aus einer Reihe unterschiedlich geformter Gläser ein Eisbecher, aus einer schnabelähnlichen Karaffe wird in wenigen Schritten eine Henne. Auch Lebensmittel wie Erbsen, Karotten oder Frühlingszwiebeln erschienen nach und nach. Immer wieder kam sie aber auch wieder zum Thema Gläser zurück.

Dabei will Raum nach eigenen Aussagen in ihren Werken die Entwicklungen im Laufe eines feucht-fröhlichen Abends aufzeigen. Ausgehend von schwarz-weiß gehaltenen Bildern kommt immer mehr Farbe ins Spiel. "Je bunter die Bilder, desto später der Abend", erklärt sie. Und so gab sie ihren Leporellos auch Namen wie "Weingespräche schwarz-weiß", "Weingespräche später" und "Weingespräche - noch später" . Gezeichnet hat Raum ihre Bilder mit Tusche und Feder. In ihrer Mischtechnik benutzt sie unter anderem auch Acrylfarbe, Ölkreide und Eddingstifte.Ausgestellt waren auch Bücher mit Luiks Fotografien und Raums Bildern sowie Postkarten mit den Werken der Illustratorin

Wach und aufmerksam für das Alltägliche seien Anke Raum und Dorothee Luik, so der Reutlinger Kulturwissenschaftler Wolfgang Alber, der bei der Ausstellungseröffnung auf sehr unterhaltsame Weise in das Werk der beiden Künstlerinnen einführte. Dabei bieten die kleinformatigen Fotos und Bilder die Fülle des Lebens, so Alber, wobei durch die Leichtigkeit viel Raum für die Phantasie bleibe. Raum hole den Betrachter mit sanfter Ironie in die Küche und an den Tisch, wobei die Leporellotechnik wie beim Film eine strukturelle Abfolge entstehen lasse. In Luiks Fotografien der zum Teil bis zu 100 Jahre alten Gläser scheine die Zeit stehen geblieben zu sein.

Viel zur Unterhaltung der Gäste bei der Ausstellungseröffnung trugen auch Uwe Zellmer und Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof im schwäbischen Burladingen-Melchingen bei. Mit einem Mix ihrer beiden Programme "Kenner trinken Württemberger" und "Schiller, Klinsmann und mir" ernteten die beiden schallende Lacher und begeisterten Applaus. So informierten sie ihr Publikum beispielsweise darüber, was den Schwaben in seinem Inneren ausmache, wobei der Begriff "hälinge" (heimlich) eine sehr große Rolle spiele. Der Schwabe versuche stets, alles "hälinge" und versteckt zu tun, so dass es nicht auffällt. "Mehr Sein als Schein" laute daher das schwäbische Grundprinzip. "Oder bildlich gesprochen: Maultasche" , brachten sie es auf den Punkt.

Auch den "schwäbischen Buddhismus" erläuterten die beiden ihren Zuhörern. So gehören zu den Lehrsätzen dieser "Religion" unter anderem "Wärsch dahoim bliebe!" und "S´ wär´ doch nit nötig gwese!"

Quelle: Badische Zeitung, 03.05.2006